Projektbeschrieb
1. Ausgangslage
Grundlage des Projektes „Informationsdrehscheibe: Gesundheitsmaterial für MigrantInnen“ bildet die vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) erarbeitete Strategie „Migration und Gesundheit 2002-2007“. In der Umsetzung dieser Strategie stehen fünf Interventionsbereiche im Vordergrund. Eine dieser Interventionsbereiche ist die Information, Prävention und Gesundheitsförderung der Migrationsbevölkerung. Auf dieser Grundlage hat das BAG im 2003 dem Departement Migration des SRK ein Mandat zum Aufbau einer Internetplattform zu gesundheitsrelevanten Themen in den Sprachen der Migrationsbevölkerung vergeben.
2. Zielsetzungen des Projektes
Die Migrationsbevölkerung in der Schweiz hat einen chancengleichen Zugang zu Gesundheitsinformationen. Die Informationsbroschüren entsprechen dem Bedürfnis nach Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit und wirken dem Ausschluss bestimmter Personen(gruppen) von Leistungen des Gesundheitswesens entgegen .
Die Zugangsbarrieren für MigrantInnen zum schweizerischen Gesundheitssystem sind verringert. Die Migrationsbevölkerung macht von den spezifischen Dienstleistungen des schweizerischen Gesundheitssystems Gebrauch. Die Präventionsangebote und die allgemeinen Informationen zu bestimmten Gesundheitsfragen erreichen die Migrationsbevölkerung.
Die Selbstverantwortung von MigrantInnen in Gesundheitsfragen ist gefördert. Die Aufklärung macht MigrantInnen in der Beanspruchung der Dienstleistungen des Gesundheitssystems im Sinne von Empowerment unabhängiger.
3. Zielgruppe
Hauptzielgruppe des Projektes sind Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen. Die Informationsdrehscheibe soll diesen eine Übersicht über das bereits übersetzte Gesundheitsinformationsmaterial geben sowie eine direkte Bezugsquelle bieten. Durch den direkten Einbezug dieses Informationsmaterial sollen die Handlungskompetenzen von Fachpersonen gegenüber der Migrationsbevölkerung erweitert werden. Die Fachpersonen übernehmen in diesem Fall eine MultiplikatrInnenrolle indem sie die bereits vorhandenen Unterlagen im Praxisalltag verwenden und an ihre Kundschaft weitergeben. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Behandlungsprozess und eine gute Interaktion zwischen den Beahandlungsakteuren ist den möglichst gleichen Informationsstand. Nur durch einen möglichst hohen und gleichwertigen Informationsstand ist es möglich die Verantwortung für den Behandlungsprozess zu verteilen und die Ressourcen von allen Akteuren zu aktivieren.
4. Infodrehscheibe - Projektmassnahmen
Im Rahmen der Projektumsetzung wurde eine dreisprachige Datenbank (Internetplattform) eingerichtet. Diese soll eine themenspezifisch gegliederte und inhaltlich kommentierte Übersicht über das bereits übersetzte Informationsmaterial mit einer direkten Bezugsquelle vermitteln.
Ein zentrales Element der Drehscheibe ist Informationslücken zu identifizieren und durch die Förderung und Initiierung von neuen Angeboten diese zu schlissen . Zu diesem Zweck kann die Drehscheibe aus einem Projektpool Gelder zur Anreizfinanzierung von nationalen und regionalen Projekten zuteilen. Die Kriterien für die Zuteilung werden öffentlich auf der Internetplattform publiziert.
Ferner ist die Zusammenstellung von vorhandenen Verteilkanälen und der aktive Aufbau von neuen zielgruppenspezifischen Kanälen eine wichtige Funktion der Drehscheibe. Es gibt bereits sehr gut funktionierenden Distributionswege, durch deren Einsatz die langen Wege zu den Zielgruppen erleichtert und verkürzt werden könnten. Zu diesem Zweck wird ein Netzwerk mit verschiedenen AkteurInnen mit zielgruppenrelevanten Kontakten aufgebaut. Solche sind u.a. Berufsverbände, Fachgesellschaften, MigrantInnenorganisationen, Schulen, SRK-Kantonalverbände, Hilfswerke, usw.
5. Produktionsprozess von Informationsmaterial
Die Produktion von Informationsmaterial in mehrere Sprachen ist sehr komplex und aufwändig. Im Produktionsprozess sind viele verschiedene AkteurInnen, wie TexterInnen, ÜbersetzerInnen, GegenleserInnen, GrafikerInnen, SatzherstellerInnen und Druckereien, beteiligt. Deshalb ist es Ziel der Drehscheibe, das relevante Know-how und die Erfahrungen möglichst zentralisieren und kontinuierlich weiter zu entwickeln, um den hohen Qualitätsstandards zu entsprechen.
Ferner übernimmt die Drehscheibe die Aufträge wie Erstellung, Übersetzung oder Adaption von Informationsbroschüre von interessierten Organisationen auf Auftragbasis. Diese Aufträge laufen ausserhalb des Projektbudgets und werden von den auftragserteilenden Organisationen separat vergütet.
6. Qualitätssicherung
Durch eine Systematisierung und Standardisierung von Informationen soll die Drehscheibe einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung und -sicherung im Bereich der Informationspolitik und zur qualitativ und quantitativ verbesserten Nutzung der Informationsvermittlung beitragen. Langfristig sollten jedoch nicht nur der Zugang zu Informationen gesichert, sondern auch die Inhalte der jeweiligen Informationsbroschüren im Voraus definierten Qualitätsstandards genügen. Zu diesen Qualitätsstandards gehören u. a. zielgruppenspezifisch angepasste Sprache und Übersetzungen, Vermeidung von Kulturalisierungen, korrekte und aktuelle fachliche Inhalte, etc.
7. Projektorganisation
Das Projekt Infodrehscheibe wird vom Fachbereich Bildung und Gesundheitsförderung des Zentrums für Migration und Gesundheit umgesetzt. Die strategische Projektleitung wird von Dagmar Domenig und die Projektkoordination von Osman Besic übernommen. Ein Projektausschuss ist für die Steuerung und Koordination anstehender Aufgaben auf übergeordneter Ebene, sowie für die Abstimmung der Aktivitäten im Rahmen der Projektaufgaben verantwortlich. Für die praktische Umsetzung des Projektes stehen zwei Teilprojektteams (Teilprojektteam Internetplattform und Teilprojektteam Produktion von Informationsmaterial) zur Verfügung. Sie sind für die operative Umsetzung fachbereichsübergreifender Aufgaben der beiden Teilprojekte verantwortlich. Das Projekt wird von einer ExpertInnengruppe bestehend aus Fachpersonen aus den Bereichen Sozial- und Gesundheitswesen begleitet und unterstützt.