migesplus - Interview mit
Umberto Castra, Contact Netz Bern
Das Projekt «Migration und Sucht» von Contact Netz Bern begann im November 2001 mit der Unterstützung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und des Kantons Bern. Das Ziel des Projektes ist eine systematische, konzeptuelle und strategische Ausrichtung von Contact Netz auf die Bedürfnisse und Besonderheiten von Menschen mit Migrationshintergrund.
Contact Netz hat ein Faltblatt herausgegeben, in dem das Betreuungs- und Behandlungsangebot vorgestellt wird. Es erscheint in 14 Sprachen. Umberto Castra ist Projektleiter des Projekts «Migration und Sucht».
Herr Castra, in ihrem Faltblatt stellen sie die Angebote ihrer Institution in 14 Sprachen vor. Was ist das Ziel
?
Im Zusammenhang mit der neuen institutionellen Ausrichtung von Contact Netz versuchen wir, vermehrt auch die Migrationsbevölkerung auf unsere Angebote aufmerksam zu machen. Wir wollen den MigrantInnen den Zugang erleichtern. Wir hoffen, damit auch diejenigen zu ermutigen, die sich wegen ungenügenden Sprachkenntnissen nicht auf eine Behandlung einlassen würden.
Bevor wir mit dem Projekt angefangen haben, betrug die Anzahl der KlientInnen mit Migrationshintergrund 4 Prozent – heute bewegt sich die Zahl bereits zwischen 16 und 19 Prozent. Mit einem ganzen Spektrum von Massnahmen ist es uns gelungen, unsere Angebote für MigrantInnen zu öffnen.
Wie wichtig ist Vermittlung von (schriftlichen) Informationen für MigrantInnen in diesem Kontext?
Es ist sehr wichtig. In unserem Faltblatt informieren wir über unser Angebot und die Behandlungsmöglichkeiten. Für uns als Beratungsstelle im Suchtbereich spielt jedoch die mündliche Kommunikation eine noch wichtigere Rolle, denn der Erstkontakt geschieht meistens über das Sekretariat. Bei diesem ersten telefonischen Kontakt muss eine offene Haltung vermittelt werden, um die Hemmschwelle zu senken. Deshalb muss unser Sekretariat für solche Sprachschwierigkeiten sensibilisiert werden, damit solche Situationen einfach und locker angegangen werden können.
Welche Kanäle haben sie benützt, um den Migrantinnen und Migranten Informationen zugänglich zu machen?
Man kann generell sagen, dass uns ein systematischer Zugang zu unserer Zielgruppe noch fehlt. Wir versuchen, an Anlässen von MigrantInnen-Organisationen und
-vereinen präsent zu sein. Ein gutes Medium sind auch Zeitungen der Migrationsbevölkerung – neulich haben wir beispielsweise ein Inserat in einer vietnamesischen Zeitung veröffentlicht. Ein weiterer Weg führt über Fachpersonen und Institutionen. Wir haben rund 5000 Adressen angeschrieben.